Im Vorfeld schien der 31.Oktober noch so weit weg zu sein, doch das Datum rückte immer näher. Einerseits freute ich mich auf den Auslandsaufenthalt und die damit verbundenen Erfahrungen. Andererseits war es für mich komisch zu wissen, meine gewohnte Umgebung für einen Monat hinter mir zu lassen und ich machte mir immer mehr Gedanken. Ich stellte mir die Fragen, ob meine Sprachkenntnisse ausreichend sind, um mich gut verständigen zu können und ob ich in einer netten Gastfamilie untergebracht werde. Dieser Punkt beschäftigte mich am meisten, da ich schon einmal sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe und dieses nicht unbedingt noch einmal erleben wollte. Darüber hinaus fragte ich mich, ob ich im Betrieb zurecht kommen und was für Aufgaben ich dort erledigen würde.
Auf der einen Seite konnte ich es kaum erwarten, die Antworten auf meine Fragen zu finden und auf der anderen Seite hatte ich Angst, durch diese Antworten enttäuscht zu werden, weil ich mir vielleicht mehr erhofft habe.
In den ersten Tagen kam ich mir in Plymouth einfach nur total hilflos vor und wollte zurück in meine gewohnte Umgebung. Viele Dinge gingen schief und enttäuschten mich.
Der erste Eindruck von der Gastfamilie war nicht der Beste. Wir waren gerade im Haus und uns wurde direkt aufgezählt, was wir so alles nicht dürfen und das war nicht gerade wenig. Außerdem hatte die Familie drei Katzen und Miriam, die mit mir in einer Gastfamilie ist, hat ausdrücklich angegeben, dass sie eine Allergie gegen Katzen hat. Dies wurde von der Agentur bei der Auswahl der Familien leider nicht beachtet. Genauso wenig wurde beachtet, dass wir gerne in eine Nichtraucherfamilie wollten. Das gesamte Haus riecht nach kaltem Rauch. Nachdem wir der Agentur von diesem Umstand berichtet hatten, wurde uns zwar angeboten die Familie zu wechseln, was wir dann aber nicht wollten. Wir hatten uns inzwsichen etwas eingelebt und mit den Begebenheiten abgefunden. Eigentlich sind die Gasteltern auch sehr nett und lustig. Am Freitagabend haben sie uns sogar mit auf eine Bonfire-Night Feier genommen. Dort gab es leckeres Essen und jede Menge Feuerwerk. Feuerwerk im November war aber für uns mal etwas ganz Neues.
An unserem ersten Tag haben wir eine kurze Einführung durch die Agentur bekommen und sind anschließend in eine Sprachschule gegangen, um dort einen Sprachtest zu machen. Demnach ist unser Englisch "brillant". Wir haben jeden Freitag 4,5 Stunden Sprachkurs, um unser Englisch noch weiter zu verbessern. Der Sprachkurs ist wie Englischunterricht in deutschen Schulen. Am ersten Freitag haben wir Listening Comprehension und Vokabelübungen zu dem Thema Facebook und Bonfire Night gemacht.
An meinem ersten Arbeitstag wollte ich natürlich pünktlich kommen und alles richtig machen. Das ist mir aber überhaupt nicht geglückt. Der Bus, mit dem ich fahren wollte, ist nicht gekommen und so musste ich weitere Wartezeit in Kauf nehmen. Folglich bin ich fast eine Stunde zu spät gekommen, obwohl ich um zwanzig nach sieben aus dem Haus gegangen bin und erst um neun Uhr am Arbeitsplatz sein musste. Die Mitarbeiter der Firma waren aber sehr nett und hatten Verständnis dafür. Auf Busse scheint in England nicht so viel Verlass zu sein. Sie kommen öfters unpünktlich oder manchmal sogar gar nicht.
Das Büro der Firma D., für das ich während meines Englandaufenthaltes arbeite, ist für die Vermarktung von Computersoftware zuständig. Das Hauptprogramm heißt Monarch und wird von 500.000 Benutzern weltweit verwendet. Zu den Benutzern gehören Banken, Krankenkassen, Behörden, Organisationen, Buchhaltungen usw. Das Programm ermöglicht, Daten aus beliebigen Berichts- und Druckdateien zu importieren. So können die Daten angezeigt, abgefragt, gefiltert, analysiert, zusammengefasst, bearbeitet und in andere Desktop-Anwendungen exportiert werden. Zusammengefasst heißt es, dass Daten, die im Normalfall erst programmiert werden müssten, extrahiert und in eine Form gebracht werden, mit der man direkt weiter arbeiten kann, zum Beispiel in Excel. Für die Unternehmen ist es ein sehr wichtiges Programm. Ein anderes Programm ist D. Dashboards, mit dem man ganz detaillierte Statistiken erstellen kann.
An den ersten drei Arbeitstagen konnte ich im Büro noch nicht so viel machen, da für mich noch die Zugangsdaten für ein Programm fehlten. Am Donnerstag habe ich eine kurze Einführung in die Aufgaben für die nächsten Wochen bekommen. Eine Hauptaufgabe wird es sein, Kundendaten aus einem Programm in ein anderes zu kopieren. Außerdem werde ich Kunden in Deutschland anrufen und sie fragen, wie sie mit den Programmen klar kommen, es verwenden und ob sie zufrieden sind.
Das Wochenende haben wir dazu genutzt, um shoppen zu gehen und Plymouth etwas näher kennen zu lernen und das sogar bei gutem Wetter und mit pünktlichen Bussen, unglaublich ;-)
Auch wenn alles sehr chaotisch anfing, kann ich jetzt sagen, dass ich mich so langsam eingelebt habe und dem weiteren Aufenthalt optimistisch gegenüber stehe. Ich hoffe, das bleibt auch so ;-)
Nadine Albermann
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