heute berichte ich euch von meiner Arbeit in Sevilla, vor allem von meinem ersten Arbeitstag, an dem alles ganz anders kam...Wie alle anderen sollte ich vor meinem ersten Arbeitstag auf ein Vorstellungsgespräch vorbeikommen. Da ich zu einer der Letzten gehörte, die mit dem Praktikum begonnen hatten, glaubte ich zu wissen, was auf mich zukam.
So war es aber nicht.
Während alle von derselben Mitarbeiterin zur Praktikumsstelle gebracht wurden, die wir schon von der Einführung in der ersten Woche kannten, wurde ich von einer mir völlig fremden Person begleitet. Es war auch ein Mitarbeiter von Incoma und wie alle anderen Mitarbeiter - zum Glück - sehr nett. :)
Für den Weg wurden 45 Minuten einkalkuliert, welches natürlich viel zu lang war, sodass wir bereits eine halbe Stunde zu früh dort waren. Bevor es losging, warteten wir im Park, in der Nähe vom Unternehmen. Meine Nervosität war wohl so offensichtlich, sodass der Mitarbeiter versuchte mich in einem Gespräch auf andere Gedanken zu bringen.
Das hat ganz gut geklappt - vorerst.
Das Unternehmen, für das ich arbeite, kümmert sich um Immigranten, die entweder eine Aufenthaltsgenehmigung haben, in Spanien arbeiten wollen usw.
Von außen sieht das Unternehmen ganz unscheinbar aus. Kommt man dann rein, befindet man sich in der großen Eingangshalle.
Die Anmeldung
Die Eingangshalle
Drumherum befinden sich die einzelnen Büros, die Anmeldung, die Rechtsanwälte, die Abteilung für soziale Arbeit, die Arbeitsvermittlung etc. und auch eine Art Kita darf nicht fehlen, in der kleine Kinder zwischen 1-3 Jahren betreut werden. In dieser Abteilung hätte ich mich sicher wohl gefühlt, aber leider bekam ich eine andere Aufgabe.
Das Vorstellungsgespräch war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe, da es absolut nicht so ablief wie bei den anderen. Außerdem hat die Rechtsanwältin unheimlich schnell und leise gesprochen. Zudem kam noch, dass Sie im andalusischen Akzent sprach und in dem 15 qm großen Raum 3 Rechtsanwälte zugleich arbeiteten und ihre Gespräche führten.
der 15 qm große Raum aus 2 Perspektiven
Ich kam mir echt hilflos vor und versuchte nach den spanischen Wörtern zu schnappen, die aus Ihrem Mund kamen und wenigstens ETWAS zu verstehen. Und wenn es nur bei dem schlechten Verständnis geblieben wäre, hätte ich es noch verkraftet. Doch dann stellte Sie die entscheidende Frage:"Soll die Praktikantin heute schon hier bleiben?" "Claro, que sí" hörte ich nur und hoffte ich hatte mich verhört. Alle anderen mussten nach dem Vorstellungsgespräch nicht sofort arbeiten, sondern erst am nächsten Tag, dachte ich bloß, wieso ich? Darauf war ich jetzt aber nicht vorbereitet.
Leider habe ich mich nicht verhört und als sich der Mitarbeiter von mir verabschiedete lagen meine Nerven blank. Nimm mich mit, dachte ich bloß und fühlte mich für einen Moment total hilflos und allein gelassen. Die Rechtsanwältin brachte mich zu einer Kollegin, die in der Anmeldung arbeitet. Hier sollte ich erstmal in die Arbeit reinschnuppern.
Ich konnte sie sprachlich nicht viel besser verstehen, aber sie war unheimlich nett. Meine erste Aufgabe war es die „Akten“ alphabetisch einzusortieren. Zum Glück waren es nicht so dicke Akten, die ich von meiner Ausbildung her kannte, sondern einfach 2 Seiten in einer Klarsichtfolie eingepackt. Darüber war ich sehr glücklich :D
In der Zeit bis zu Mittagspause hatte meine Kollegin drei Anmeldungen fertig gemacht. Das Unternehmen arbeitet mit einem online Programm, sodass die Antworten direkt im Rechner eingegeben wurden. Zum Glück wurden nicht alle 275 Fragen gestellt, sondern nur eine kleine Auswahl, z.B. die persönlichen Daten, seit wann die Person sich in Spanien befindet, ob noch Familienmitglieder im Heimatland sind etc.
Was mich wahrscheinlich am meisten beruhigt hat, war die Tatsache, dass meine Kollegin nach jeder fertigen Anmeldung meinte "Lass uns jetzt Kaffeetrinken gehen". Kaum waren wir aus der Tür raus, kam schon die Nächste für die Anmeldung und wir mussten wieder kehrtmachen.
Der Raum war bestimmt nur 7 qm groß, und ich bin bei einer Außentemperatur von 20 Grad im Schatten fast eingegangen, da die Fußheizung angestellt wurde!! Japp, die Spanier frieren bei dieser Temperatur.
Kurz vorm Feierabend meinte meine Kollegin dann, "Übermorgen tauschen wir die Plätze und dann machst du die Anmeldung, ne?" Da ist nämlich auch mehr los als heute.
Was ich für einen Scherz hielt entpuppte sich als Wahrheit, nur mit dem Unterschied, dass wir nicht die Plätze getauscht haben, sondern, dass ich ganz alleine die Anmeldung durchgeführt hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass mir so viel zugemutet wird und dass ich so selbstständig arbeiten darf, aber im Großen und Ganzen bin ich mit meiner ersten Arbeitswoche ganz zufrieden!
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